Leistungsbeurteilung

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Kurzdefinition:
Unter Leistungsbeurteilung (Leistungsbewertung) versteht man die Einordnung einer Leistung in ein Bezugsystem unter Zugrundelegung eines Beurteilungsmaßstabes.
Beschreibung:
Die Leistungsbeurteilung in ihrer heutigen Form ist eng verknüpft mit der Etablierung des sog. Leistungsprinzips im Zusammenhang beginnender Demokratisierung und Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert (vgl. Sacher 2006, S. 649). Mit dem Leistungsprinzip als neuem Verteilungsprinzip für Berufs- und Lebenschancen galten nicht mehr Geburt, Religion, Geschlecht, Rasse usw. als Bewertungsgrundlage, sondern lediglich die individuelle Leistung. Daraus ergaben sich nach und nach folgende Funktionen der Leistungsbeurteilung (vgl. Wengert 2004, S. 295ff):

 

  • Berechtigungs-/Zuteilungs- und Selektionsfunktion:

Auswahl und Auslese befähigter Anwärter auf höhere Bildungslaufbahnen, begehrte Abschlüsse und angesehene berufliche und gesellschaftliche Positionen

 

  • Sozialisierungsfunktion:

Erlernen neuer Leistungsnormen (Nicht die gute Absicht, das Bravsein oder Sympathie und Liebe bestimmen die Bewertung, sondern einzig die individuellen Handlungsresultate.)

 

  • Rückmeldefunktion/Berichtsfunktion:

Beurteilende, Beurteilte und Dritte erhalten Auskunft über den Leistungsstand, über die Qualität und den Erfolg der Lerneinheit sowie über mögliche Konsequenzen infolge von Hochrechnungen

 

  • Anreiz- und Disziplinierungsfunktion:

Förderung der Auseinandersetzung mit dem Lernstoff durch die Aussicht auf Belohnung bzw. die Furcht vor Bestrafung

 

Aus dieser Auflistung wird deutlich, dass die Leistungsbeurteilung in der Schule nicht nur unterrichtliche und erzieherische Funktionen (z.B. Rückmeldung, Disziplinierung) besitzt, sondern durchaus auch gesellschaftliche, politische und schulorganisatorische Funktionen wie z.B. Selektion und Sozialisation übernehmen muss. Es ist aber festzuhalten, dass die Berechtigungs-, Zuteilungs- und Selektionsfunktion der Ausgangspunkt der gesamten Leistungsbeurteilung war, d.h. Leistungsbeurteilung wurde ursprünglich nicht aus pädagogischen Gründen eingeführt (vgl. Wengert 2004, S. 296).

 

Mit dem Wandel hin zum Offenen Unterricht, ändern sich die Anforderungen an die Leistungsbeurteilung. Sind die traditionellen Verfahren zur Leistungsbeurteilung ausschließlich produktorientiert (was kann der Schüler zum Zeitpunkt der Leistungserhebung?), kommt es beim Offenen Unterricht auf den Lernprozess selbst an. Neben dem Lernen im fachlich-inhaltlichen Bereich geht es mehr um den Aufbau von sozial-kommunikativen und methodisch-strategischen Kompetenzen sowie um die Entwicklung von Selbst- und Persönlichkeitskompetenzen. Um allerdings fundierte Urteile über die methodisch-strategischen und sozial-kommunikativen Kompetenzbereiche abgeben zu können, muss das selbstständige Arbeiten der SchülerInnen beobachtet und begleitet werden. Gegenstand der Bewertung sind ferner das zielgerichtete Planen, das Nutzen von Informationsquellen, das Arbeiten im Team sowie die Präsentation und die Dokumentation. Bei der Benotung methodischer und sozialer Kompetenzen gelten im Prinzip die selben Regeln und Anforderungen („Gütekriterien“) an das Urteil wie bei der Bewertung mündlicher und schriftlicher Leistungen.

 

In der Schule findet die Leistungsbewertung im Rahmen der geltenden Notenskala durch die Verteilung von Zensuren oder Punkten im Anschluss an eine quantitative Feststellung von individuellen Lernergebnissen statt und wird daher oftmals auch als Notengebung oder Zensierung bezeichnet. Dabei kann sich die Beurteilung an den Lernzielen und inhaltlichen Kriterien (sog. kriteriums-orientierte Bezugsnorm), an den Leistungen der anderen SchülerInnen (sog. soziale Bezugsnorm) oder an den individuellen Fähigkeiten und Fortschritten des einzelnen Schülers (sog. individuelle Bezugsnorm) orientieren. Welche Bezugsnorm letztendlich zur Leistungsbeurteilung verwendet wird, muss angegeben werden, ist dem Lehrer ansonsten aber relativ freigestellt. (vgl. Brömer 2004, S. 1ff.).

Interne Verweise:
Beobachtungs- und Bewertungsfehler

Gütekriterien

Kompetenzmessung

Lernerfolgsmessung

Notengebung

Legende:
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Verwendete Quellen:
Brömer, B.: Die Bedeutung der Bezugsnorm. 2004. https://dms-portal.bildung.hessen.de/elc/fortbildung/pdo/modul_diag_foe/foerdern/unt/station_3/bezugsnormen.pdf (Stand: 11.2004)

Sacher W.: Lernstandsbeurteilung: Tests, Zensuren, Zeugnisse; in Arnold K.-H. & Sandfuchs, U. & Wiechmann, J. (Hrsg.): Handbuch Unterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. 2006.

Wengert H.G.: Leistungsbeurteilung in der Schule. In Bovet G. & Huwendiek V. (Hrsg.): Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrerberuf. 4. überarbeitete Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag. 2004.

Weiterführende Literatur:
Jürgens E.: Leistung und Beurteilung in der Schule. 6. aktualisierte Auflage, Sankt Augustin: Academia Verlag.2005.

Winter F.: Leistungsbewertung. 2. Auflage, Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren. 2006.

Internetverweise:
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Rheinberg – Leistungsbeurteilung im Schulalltag: Wozu vergleicht man was womit?

Lernstandsdiagnose und Leistungsbeurteilung in heterogenen Lerngruppen(Prof. Dr. Alfred Holzbrecher)

Leistungsbeurteilung zwischen allgemeiner Didaktik und Demokratiepädagogik (Silvia-Iris Beutel)

Silvia-Iris Beutel: Im Dialog mit den Lernenden: Leistungsrückmeldung und Lernbegleitung

Materialien:

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Studierende; Thomas Prescher;

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