Taxonomie

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Kurzdefinition:
Auf dem Gebiet der Lerntheorie werden die Lernziele nach lernpsychologischen Dimensionen, ,,nach Verhaltensbereichen, auf die sie sich beziehen, als – kognitiv – affektiv – psychomotorisch‘‘ (Gonschorek; Schneider 2003, S. 124) klassifiziert. In jedem dieser Bereiche sind mehrere Taxonomiestufen vorhanden, wobei jede Stufe eine differenzierte Anforderung bezüglich des zu betrachtenden Themas ausdrückt.

Taxieren bedeutet demnach das Einordnen der Lernziele – je nach Anforderung des zu behandelnden Themas  in die Stufen des zu betrachtenden Verhaltensbereichs. (vgl. Gonschorek; Schneider 2003, S. 124)

Beschreibung:
Die Grundlage für das Taxieren ist das Vorhandensein von Unterricht. Aufgrund der Charakteristik des Unterrichts zielorientiert zu sein, muss eine Zielsetzung bei der Unterrichtsplanung erfolgen. Die formale Struktur eines Lernziels besteht aus zwei Elementen, dem sogenannten Nomen und dem sogenannten Verb.

Schließlich ist das Ergebnis beim Taxieren eine angemessene Lernzielsetzung für den zu planenden Unterricht. (vgl. Wiechmann J. 2006, S. 76ff)

    1. Das Nomen dient der Beschreibung des Kenntnisbereichs. Hierbei wird der Kenntnisbereich in vier Inhaltsdomänen eingeteilt.
      1. Sachwissen: Basiswissen bzw. Wissen reiner Fakten, z.B. Geschichtszahlen, Wirtschaftsdaten;
      2. Konzeptwissen: Konzepte, d.h. Erkennung von Zusammenhänge, z.B. Erklärungsmodelle;
      3. Prozesswissen:  Prozesse, Verfahren oder Methoden, d.h. Wie macht man etwas?, z.B. Planungsmethoden oder Argumentationsverfahren;
      4. Metakognitives Wissen: generelles Wissen über den eigenen Lernprozess bzw. den persönlichen Erkenntniszuwachs, d.h. Wie komme ich selbst zu Erkenntnis oder wie funktioniert mein eigenes Lernen?, z.B. Lerntechniken oder Lernmuster;

      (vgl. Wiechmann J. 2006, S. 79 ff)

 

  1. Das Verb dient der Beschreibung des Prozesses in den drei Verhaltensbereichen und damit auch der Beschreibung des Kompetenzzuwachses.Es wird unterteilt in:a) kognitive Prozesse(nach Bloom u.a. 1995)

     

    In diesem Verhaltensbereich werden die intellektuellen Fähigkeiten betrachtet. Damit ist beispielsweise die Fähigkeit zum Wissens- und Kenntniserwerb oder zum logischen Denken gemeint.

    Somit wird die Komplexität bzw. der Schwierigkeitsgrad der Lernziele in sechs unterschiedliche Anspruchniveaus unterteilt.

    Einfach
    1. Erinnern: Wissenselement nach Aufforderung aus dem Langzeitgedächtnis  abrufen, z.B.: Nennen sie ihr Geburtsdatum.
    2. Verstehen: Sinngehalt mit Bezug auf Kenntnisse aus Aussagen entnehmen, d.h. man muss es verstanden haben, um es sinnvoll anwenden zu können.
    3. Anwenden: Kenntnisse sachbezogen in neuen Zusammenhängen verwenden, d.h. aktiv mit Kenntnissen in leicht variierten Zusammenhängen umgehen könnnen.
    4. Analysieren: komplexe Situationen mit Bezug auf Kenntnisse betrachten und einordnen, d.h. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen komplett neuem Zusammenhang und bekanntem Zusammenhang suchen.
    5. Bewerten: Aussagen oder Situationen kriterienorientiert beurteilen.
    6. Entwickeln: vorhandene Elemente zu einer neuen Struktur stimmig verknüpfen, z.B. Entwickeln eines neuen Produkts.
    Komplex

    Bei den Stufen eins, zwei und drei spricht man auch von reproduktivem Wissen, wobei man bei den Stufen vier, fünf und sechs auch von produktivem Wissen bzw. produktiver Kompetenz spricht.

     

     

     

    b) affektive Prozesse

    (nach Krathwohl u.a. 1964)

     

    In diesem Verhaltensbereich beziehen sich die Lernziele auf das allgemeine Sozialverhalten. Damit ist die Bereitschaft etwas

    zu tun oder zu denken – die volitionale Bereitschaft – sowie die Veränderung von Interessenslagen und Einstellungen als auch

    die Entstehung zeitlich beständiger Orientierungen und Werthaltungen gemeint. Dieses Sozialverhalten sollte jedoch eine

    allgemeine Gültigkeit erreichen. Dies bedeutet, dass es nicht nur auf die Institution Schule beschränkt, sondern auch im

    außerschulischen Alltag angewandt werden sollte.

    Durch die Aufforderung, etwa zu einem bestimmten Thema eine Haltung einzunehmen, wird das Sozialverhalten orientiert am  

           Gradder Verinnerlichung in fünf Stufen unterteilt.

     

    Emotion   1. Beachtung:     Sensibilisierung für ein Thema, d.h. dem Thema Beachtung bzw. Aufmerksamkeit schenken.

    l

    l         2. Reaktion:        Emotionalisierung, d.h. eine spontane Informationsverarbeitung findet statt.

    l

    l         3. Wertung:       emotionaler Bezug zum Thema mit daraus resultierender Einstellung bzw. Haltung, d.h. etwas für

    l                                  wertvoll halten oder ihm einen Wert beimessen.

    l

    l         4. Wertordnung: Organisation, d.h. Aufbau eines Wertesystems oder Integration von Bezugswerten in eine

    l                                  Hierarchie von Überzeugungen.

    l

    v         5. Bestimmt sein durch Werte: Charakterisierung durch einen Wert, d.h. Identität oder Leben einer Werthaltung.

    Einstellung

     

    (vgl. Gonschorek; Schneider 2003, S. 124 f.)

     

     

    c) psychomotorische Prozesse

    (nach Dave 1968)

     

    In diesem Verhaltensbereich beziehen sich die Lernziele auf manipulative und motorische Fähigkeiten. Hierbei betrifft es

    sowohl die Grobkoordination, wie Sport oder Technik, als auch die Feinkoordination, wie das Sprachverhalten oder die

    Schreibhaltung.

    Die hier betrachteten Fähigkeiten werden mit Hilfe des Grades der Koordination in fünf Stufen unterteilt.

     

     

    geringe Koordination   1. Imitation:         Nachahmung beobachteter Handlungen, z.B. von Handlungsabläufen.

    l

    l                    2. Manipulation:     Festigung des Handlungsablaufs durch Anwendung

    l

    l                    3. Präzision:          Festigung der Handlung ohne Modell, d.h. höhere Genauigkeit durch Üben.

    l

    l                    4. Integration:      Handlungen werden zu koordinierten Bewegungsabläufen, d.h. die Koordination

    l                                               verschiedener Elemente eines Bewegungsablaufs.

    v                    5. Naturalisierung: höchster Beherrschungsgrad von Handlungsabläufen, d.h. Unabhängigkeit vom

    hohe Koordination                                Modell.

     

    (vgl. Gonschorek; Schneider 2003, S. 124 f.)

Interne Verweise:
Unterrichtsplanung
Verwendete Quellen:
Bloom, B. S.: Taxonomy of educational Objectives. Handbook: Cognitive Domain. New York: McKay. 1956. Deutsch: 2. Aufl. Weinheim, Basel. 1973.

Dave, R. H.: Eine Taxonomie pädagogischer Ziele und ihre Beziehung zur Leistungsmessung. In: Ingenkamp, K./Marsolek, Th.: Möglichkeiten und Grenzen der Testanwendung in der Schule. Weinheim: Beltz. 1968.

Gonschorek, G., Schneider S.: Einführung in die Schulpädagogik und die Unterrichtsplanung. 3.Auflage. Donauwörth: Auer Verlag. 2003.

Krathwohl, D. R. , Bloom, B.S., Masia, B.B.: Taxonomy of Educational Objectives. Handbook II: Affective Domain. New York: McKay. 1964.

Wiechmann J.: Schulpädagogik Band 2. 2. Auflage. Hohengehren: Schneider Verlag. 2006.

Weiterführende Literatur:
Anderson, L. W., Krathwohl, D. R., Airasian, (2001): A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. Abridged Edition: Allyn and Bacon. 2001.

Bloom, B. S.: Taxonomy of Educational Objectives. The Classification of Educational Goals. New York: Longman Group Limited. 1956.

Internetverweise:
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Peter Baumgartner: Taxonomie von Unterrichtsmethoden

Taxonomiestufen nach BLOOM

Materialien:
Taxonomie

Verantwortlich: unbekannt

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