Bildungstheoretische Didaktik

image_print
Kurzdefinition:
Der Begriff Bildung ist die zentrale Bezugsgröße der bildungstheoretischen Didaktik. Es wird die materiale, formale und kategoriale Bildung unterschieden. Das Ziel sieht Klafki (1963) in der Förderung der Entwicklung eines Menschen mit einer kritischen Allgemeinbildung, mit deren Hilfe er sachlich, selbstbewusst und mit der Gemeinschaft verbunden denkt und handelt. Im Zentrum steht der freie und unabhängige Mensch.

Bei der Herausbildung dieses Menschen übernimmt der Inhalt eine Vorrangstellung gegenüber den Methoden und Medien. Für die Unterrichtsgestaltung nimmt die didaktische Analyse eine zentrale Rolle ein.

Beschreibung:
Bildungstheoretische Didaktik bezieht sich auf die Auswahl der Bildungsinhalte. Wobei es das Ziel ist, die entgegengesetzten Pole aus Kultur mit ihren Inhalten und den inneren Dispositionen zu vereinen. Dieser Widerspruch findet sich in den Begriffen der formalen und materialen Bildung Klafkis (1959 zitiert nach Kron 1994, S. 122ff.) wieder. Die materiale Bildung bringt zum Ausdruck, dass es im Außen objektive Inhalte gibt, die es zu lernen gilt. Der Begriff der formalen Bildung bezieht sich dagegen auf das psychologische Moment des Seins und damit auf die Notwendigkeit einer Persönlichkeitsbildung. Bildung ist dann das, was den Pendelschlag zwischen diesen beiden Polen ausmacht und dadurch ein verbindendes Element schafft. Der Begriff der kategorialen Bildung versucht dieses zusammenzufassen und Bildung als ganze, geschlossene Einheit zu sehen.

Auf diese Weise werden die Grenzen der Bildungstheorien, die sich am klassischen Ideal orientieren erweitert, da sich die gesellschaftlichen Bedingungen derart weiter entwickelt haben, dass die Ausrichtung am humanistischen Bildungsbegriff nicht mehr ausreicht. Wissen ohne ein substantielles Verhältnis zu der umgebenden Kultur bleibt eine Schablone und ist sinnleer. (vgl. Kron 1994, S. 122). Man spricht hier von einer Bildungstrias, der Selbst-, Fremd- und Weltverstehen miteinander verbindet.

Neben der fundamentalen Bedeutung des Bildungsbegriffs, ist die didaktische Analyse ein zentraler Baustein der bildungstheoretischen Didaktik. Dieser Baustein dient der Unterrichtsvorbereitung. „Wir halten diese fünf Fragen auch heute noch für eine sinnvolle Strukturierungshilfe für die Unterrichtsvorbereitung“ (vgl. Jank & Meyer 2006, S. 206):

  • Gegenwartsbedeutung für Lerner,
  • Zukunftsbedeutung,
  • Struktur des Inhalts,
  • Exemplarische Bedeutung,
  • Zugänglichkeit.

Die didaktische Analyse soll klären helfen „(…) ob sich das, was man da den Schülern anzubieten hat, überhaupt lohnt. (…) Klafkis didaktische Analyse dient der Freilegung des Bildungsgehaltes der vom Lehrplan schon vorgegebenen Bildungsinhalte.“ (Jank & Meyer 2006, S. 205ff.).

Klafkis Modell ist damit geeignet, um Klärungsprozesse zu leiten, die idealerweise bei allen Lehr-Lern-Prozess-Planungen berücksichtigt werden müssen. Es dominierten nach Jank & Meyer (2006, S. 227) allerdings der Unterrichtsinhalt und –gehalt. Die unterrichtsmethodische Vorbereitung kommt dagegen kaum vor.

Aufgrund vieler gesellschaftskritischen Diskussionen über die bildungstheoretische Didaktik, wurde der Ansatz als kritisch-konstruktive Didaktik weiterentwickelt. Kritisch besagt hier, dass die Gesellschaft und gesellschaftliche Institutionen die Zielerreichung der bildungstheoretischen Didaktik bedeuten. Konstruktiv bedeutet die Entwicklung konkreter Zukunftsvisionen, um aus den Herrschaftsstrukturen auszubrechen und eine sich verändernde Gesellschaftspraxis anzustreben. Das Anliegen war dabei, die aufkommenden empirischen Wissenschaften mit den kritischen und hermeneutischen Wissenschaften zusammenzuführen. Die Unterscheidung von Didaktik im engeren und weiteren Sinne soll damit überwunden werden, da Methoden und Medienentscheidungen mit einbezogen sind. Damit ist das Primat der Didaktik verändert, da nicht mehr die Inhalte die Methoden bestimmen, sondern die Annahme vertreten wird, die Inhalte und Methoden beeinflussen sich gegenseitig. (vgl. Jank & Meyer 2006, S. 228ff.).

Der daraus resultierende Problemunterricht versteht sich als ein politisches Programm zur Demokratisierung von Bildung und Schule. Es werden hier Schlüsselprobleme definiert wie zum Beispiel Friedensfragen, Umweltprobleme, wachsende Weltbevölkerung oder die Rolle der Medien. Dennoch kann festgehalten werden, dass die Methodik als bedeutsames didaktisches Element auch hier nicht hinreichend berücksichtigt wurde. Die politische Dimension dieser Didaktik wurde jedoch noch deutlicher hervorgehoben.

Ein weiterer Kritikpunkt an der bildungstheoretischen Didaktik ist im Konstruktionsproblem des mündigen Lehrers zu sehen, da die Mündigkeit als objektivierter Sachverhalt unterstellt wird. Es wird dabei systematisch die Mündigkeit des Lehrers von der jeweiligen subjektiven Bildung ausgeblendet. Zudem kann die Frage der Legitimation gestellt werden, wer den Inhalt und den Verlauf der Bildungsprozesse bestimmt. Oder anders formuliert: Kann Didaktik, aus einem nicht empirisch fundierten Bildungsideal ihre Aufgaben und Ziele legitimieren?

Interne Verweise:
Allgemeine Didaktik

Bildungsgangdidaktik

Bildungsstandards

Ermöglichungsdidaktik

Hamburger Modell

Lehr-/Lerntheoretische Didaktik

Verwendete Quellen:
Jank, W. & Meyer, H.: Didaktische Modelle. 9. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag. 2006.

Klafki, W.: Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim: Beltz. 1963.

Kron, F.W.: Grundwissen Didaktik. 2. Auflage. München: UTB-Verlag. 1994.

Weiterführende Literatur:
Grotlüschen, A.: Die didaktische Lücke bei der “didaktischen Selbstwahl”. In: Report 3/2005 Didaktik. DIE Bonn, 2005. S. 37-45.

Meueler, E.: Didaktik der Erwachsenenbildung/Weiterbildung als offenes Projekt. In: Tippelt, R. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Opladen: Leske & Budrich, 1994. S. 615-628.

Moriz, W.: Unterrichtswissenschaften. Theorien des Lehrens und Lernens und berufspädagogische Handlungskompetenz. Norderstedt: Books on demand. 2007.

Internetverweise:
Wir weisen darauf hin, dass die aufgelisteten Seiten nicht Teil des Didagma-Projektes sind. Daher übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte und die Richtigkeit dieser Seiten. Falls der Link defekt, oder der Seiteninhalt unpassend sein sollte würden wir uns freuen darüber informiert zu werden.

Bildungstheoretische Didaktik

Bildungstheoretische Didaktik – Wolfgang Klafki und die Didaktische Analyse

Materialien:
Bildungstheoretische Didaktik

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Thomas Prescher;

« Back to Glossary Index