Lehrgespräch

image_print
Kurzdefinition:
Das Lehrgespräch ist ein Gespräch, welches dem Frontalunterricht zugeordnet wird, da der Verlauf und die Zielerreichung durch den Lehrer beeinflusst werden. Die darin enthaltende Situationsorientierung folgt dem konstruktivistischen Paradigma. Als Spezialform gilt das Unterrichtsgespräch, da es ein echtes offenes Gespräch unter Gleichrangigen ist. Der Lehrer steuert hier nicht. Formen dieses Unterrichtsgespräches sind Gespräch, Diskussion, Pro-Kontra, Streitgespräch, Debatte.
Beschreibung:
Der Lehrende erarbeitet mit den Teilnehmern gemeinsam den Lernstoff, wobei es hier einen Wechsel zwischen Wissensvermittlung und Wissenskonstruktion durch entsprechende Fragestellungen gibt. Es geht um Begriffsklärung, Erarbeitung von Lösungswegen, Erarbeitung des Sinngehaltes oder um die Entwicklung von Ordnungsgesichtspunkten. Es ist eine Mischform aus passiver und aktiver Methode. (vgl. Quilling & Nicolini 2009, S 70). Insgesamt wird das Lehrgespräch „(…) im Bezug auf Ziele, Inhalte und Medien wesentlich vom Lehrenden geplant und gesteuert.“ (vgl. Döring & Ritter-Mamczek 2001, S. S. 229).

Der Vorteil liegt in der Aktivierung des Teilnehmers, da er auf potentielle Fragen antworten können muss. Der Lerner wird aufgefordert, den Gegenstand unter bestimmten Gesichtspunkten zu betrachten (zeitlich, sachlich, räumlich). Jedoch ist ein Nachteil darin zu sehen, dass ein Lehrgespräch mehr Zeit bedarf und nicht so gut kontrollierbar ist. Merkmale sind:

  • Thema mit Hilfe der Teilnehmer entwickelt.
  • Fragen werden integriert.
  • Teilnehmerbeiträge dienen dem roten Faden.

Problematisch kann es werden, wenn Teilnehmer provozieren oder den Lehrenden korrigieren, bzw. die Antworten von dem geplanten roten Faden abweichen. Hier ist es wichtig, dass der Lehrende auf die Äußerungen eingeht oder vermeidet, wiederholt keine Antworten zu geben, da die Teilnehmer sonst frustriert sind. Entscheidend ist es, ein Lehrgespräch nicht so zu planen, dass die Teilnehmer zu Stichwortgebern degradiert werden (vgl. Weidenmann 2006, S. 71f.).

Die Einstellung des Lehrenden zu seinen Teilnehmern ist erfolgsentscheidend. Bemerkungen sind keine Provokation, sondern nur Ausdruck eines Bedürfnisses. Wichtig ist es, auf Antworten warten zu können und Zeit verstreichen zu lassen, bis ein Lehrer auf Antworten reagiert, da dies verblüffende Effekte zu Folge hat (Grunder et al. 2007, S. 161):

  • Antworten werden länger,
  • Logischer Aufbau,
  • Häufiger Rückfragen,
  • Leistungsschwächere beteiligen sich öfter,
  • Lehrer machen weniger Fehler,
  • Stellen weniger Fragen,
  • Greifen eher Beiträge auf,
  • Fragen werden qualitativ anspruchsvoller und Lehrer kommentiert nicht jede Antwort sofort.

Eine Spezialform des Lehrgespräches ist die Diskussion bzw. das Unterrichtsgespräch. Bei der Diskussion geht es zunächst darum, dass Lernende sich über Meinungen und Standpunkte austauschen; Einfälle fördern, gegensätzliche Positionen austragen. Der Lehrer kann die Leitung übernehmen oder diese delegieren. Hier ist auf die Verteilung der Redebeiträge zu achten, auf einen angemessenen Ton, und dass die Diskussion beim Thema bleibt. Die Sitzordnung sollte das Gespräch fördern. Das Ergebnis ist insgesamt aber offen, da die Leitung keinen Einfluss auf die inhaltliche Richtung nimmt (vgl. Steindorf 2000, S. 153f.). Ziel ist:

  • eigene Sichtweise und Erfahrungen verständlich darzulegen,
  • auf Argumente hören und eingehen,
  • eigene Sichtweise kontrastierend erweitern,
  • andere Meinungen akzeptieren,
  • Einhaltung von Gesprächsregeln  z.B. ausreden lassen oder sachlich bleiben.
Interne Verweise:
Verwendete Quellen:
Döring, K.W. & Ritter-Mamczek, B.: Lehren und Trainieren in der Weiterbildung. 8. Auflage, Weinheim: Beltz Verlag. 2001.

Grunder, H.-U. & Ruthemann, U. & Scherer, S. & Singer, P. & Vettinger, H.: Unterricht verstehen, planen, gestalten, auswerten. Baltmannsweiler: Schneider Verlag. 2007.

Quilling, E. & Nicolin, H.J.: Erfolgreiche Seminargestaltung. 2. Auflage, Wiesbaden: VS Verlag. 2007.

Steindorf, G.: Grundbegriffe des Lehren und Lernens. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. 2000.

Weidenmann, B.: Erfolgreiche Kurse und Seminare. 7. Auflage, Weinheim: Beltz Verlag. 2006.

Weiterführende Literatur:
Beyerle, P.: Das Lehrgespräch. Berlin: Beuth Verlag. 1998.

Fritz, K.: Professionalität des Lehrerberufs und die Bedeutung einer konstruktivistischen Didaktik. Dissertation der FernUniversität Hagen. (URL: AVL: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=980229634&dok_var=d1& dok_ext=pdf&filename=980229634.pdf, Stand 27.09.2007).

König, E. & Riedel, H.: Systemtheoretische Didaktik. 3. Auflage. Weinheim: Beltz Verlag. 1976.

Menk, P.: Unterricht was ist das? Eine Einführung in die Didaktik. Norderstedt: Books on demand, 2006.

Internetverweise:
Wir weisen darauf hin, dass die aufgelisteten Seiten nicht Teil des Didagma-Projektes sind. Daher übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte und die Richtigkeit dieser Seiten. Falls der Link defekt, oder der Seiteninhalt unpassend sein sollte würden wir uns freuen darüber informiert zu werden.

Gesprächsleitung: Lehrgespräch

Methode: Lehrgespräch

Materialien:

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Thomas Prescher;

« Back to Glossary Index