Situiertes Lernen

image_print

Dieser Begriff benötigt Überarbeitung!

Kurzdefinition:
Beim situierten Lernen liegt das Hauptaugenmerk auf der Situation in der der Lernprozess stattfindet. Eine wichtige Rolle hierbei spielen zwischenmenschliche Interaktionen.
Die zentrale Forderung ist es, dass Lern- und Anwendungsprozesse stark miteinander verbunden sind, da Wissen sehr stark kontextgebunden sind. Dies steht im Widerspruch zum alltäglichen Schulunterricht, da hier der Erwerb und die Anwendung von Wissen zwei strikt voneinander getrennte Elemente sind. Wenn sich Lern- und Anwendungsprozesse ähneln sollen, so müssen noch das isolierte Arbeiten und das Verbot Hilfsmittel zu verwenden, hinzugefügt werden. (vgl. de Witt, Czerwionka 2006)
Beschreibung:
Beim Situierten Lernen geht es um die soziale Verankerung des Lernens jedes einzelnen Menschen. In diesem Sinne soll eine Vielzahl von Theorien erklären, wie das Lernen beim Menschen abläuft. Dabei stellt ein großer Teil dieser Theorien den einzelnen Menschen als Lernender in den Mittelpunkt.

Beim Konzept des situierten Lernens geht es um die Gestaltung von Lernvorgängen und Lernumgebung. Dies bedeutet, dass das Lernen jedes Individuums in einer möglichst authentischen Lernsituation stattfindet sollte. Wenn etwas erlernt werden soll, dann möglichst praxisorientiert. Probleme bei der Anwendung oder bei Transferproblemen sollen beim situierten Lernen in einen realen Kontext gebunden sein.

 

Ziele dieser Methode sind unter anderem das Verstehen neuer Inhalte, neues Wissen soll flexibel angewendet werden können und es sollen Strategien zur Problemlösung entwickelt werden. Wichtig ist hierbei, dass der Lernende sich selbst mit dem zu erlernenden Stoff beschäftigt/befasst und so aktiv eigene Erfahrungen sammelt. So kann der Lernende zu neuen Einsichten und Erkenntnissen gelangen. Das heißt also, dass der Schüler sein Wissen erlangt, indem er sich aktiv und aus seinem individuellen Konstruktionsprozess heraus mit dem Thema befasst und nicht einfach nur das Wissen seines Lehrer „übernimmt“, indem ihm das zu erlernende Wissen vom Lehrer „eingeflößt“ wird.

 

Als gutes Beispiel für die Umsetztung des Situierten Lernens kann man die Berufsschulen erwähnen. Hier ist es so, dass wie schon erwähnt, das Gelernte direkt in der Praxis umgesetzt wird. Zwar wird an Berufsschulen auf Frontalunterricht betrieben, aber dennoch wird Wert darauf gelegt, dass alles Gelernte auch in der Praxis, also im Beruf, sofort wieder verwendet und angewendet werden kann. So wird beispielsweise auch im Unterricht, je nach Berufswahl, praxisorientiert unterrichtet. Bei Versicherungskaufleuten oder Bankkaufleuten werden Kundengespräche durchgespielt und auch mit Kameras aufgenommen, so dass man im Anschluss direkt eine Fehleranalyse machen kann.

 

Genau aus diesem Grund, spielt auch die Situation, in der das Lernen stattfindet, eine so große Rolle. Der Begriff der Situation besteht aus materiellen Aspekten, sowie aus der sozialen Umwelt des Lernenden. Die Interaktion zwischen Menschen und der historische und kulturelle Kontext spielt auch eine Rolle.

 

Bei der Gestaltung der Lernumgebung sollten grundlegende Prinzipien eingehalten werden (vgl. Bildungsserver Mecklenburg-Vorpommern o.J.):

  • Komplexe Anwendungsprobleme (interessante und intrinistisch motivierte Probleme):

Wissen im Anwendungskontext

  • Authentizität und Situiertheit (realistische Probleme und authentische Situationen)
  • Multiple Perspektiven (Bereitsetllung multipler Kontexte):

flexible Anwendung des Wissens

  • Artikulation und Reflexion (Problemlöseprozesse)
  • Lernen im sozialen Austausch (Lerngruppen, Lernen mit Experten)

Diese Prinzipien haben alle Ansätze des situierten Lernens gemeinsam.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

„Der Ansatz des situierten Lernens sieht Lernen nicht als Resultat von Entscheidungsprozessen des einzelnen Individuums. Lernen ist nach dieser Auffassung in den materiellen und sozialen Kontexten (Lebenswelt) eingebunden. Unter keinen Umständen kann das Gelernte von den situativen Bedingungen, zu der auch historische und kulturelle Kontexte gehören, in der das Lernen stattfindet, getrennt werden. Lernen wird als Prozess aufgefasst, in dem personenexterne Komponenten, personeninterne Faktoren und die konkrete Situation eine Wechselbeziehung eingehen.“ Röll 2003, S.119

Neue Formen der (Massen-) Kommunikation und deren Nutzung, veränderte Vorstellungen von Gesellschaft generieren nicht nur veränderte Formen von Lebensweisen sondern können auch neue Formen des Lernens, rsp. neue inhaltliche und formale Lernanforderungen nach sich ziehen.

Immer mehr Schulen greifen die Methoden des situierten Lernens auf. Wochenplan-Arbeiten oder auch kooperativer Wissensaufbau sind Arten, wie man den Unterricht in Form des situierten Lernens aufbauen kann. Hierbei geht es darum, dass die Schüler Situationen angeboten bekommen, in denen sie die Bedeutung von bestimmt Sachverhalten und / oder Ereignissen selber entwickeln. Lernen ist also so zu verstehen , dass Schüler die Bedeutung bestimmter Situationen erkennen. In der heutigen Zeit der Massenkommunikation, wären Bild-und Videospeicher auf dem Handy und im Internet ein Beispiel dafür. Die Kinder schaffen sich so ihren eigenen Kontext. „Das sieht konkret so aus, dass sie Handy-Videos, die sie in der Schule aufgenommen haben, auf Plattformen im Web 2.0 stellen und mit ihren Freunden darüber reden. Mit dem Handy können sich Schülerinnen und Schüler nicht nur Handlungs-, Lern- und Entwicklungsräume erschließen, sondern sie selber generieren.“ (www.medienundbildung.com)

 

Somit ist es eine wesentliche Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrer, diese Nutzer generierten Kontexte mit den Lernaufgaben des Lehrplans zu verbinden. Das Handy spielt dabei als alltäglicher, selbstverständlicher, multimedialer Mini-Computer eine wesentliche Rolle, weil sich damit Kommunikationsbrücken (conversational threads) zu Lernsituationen in die Schule bauen lassen, genau so wie e-Learning-Angebote, die eine höhere interaktivität ermöglichen als die „üblichen“ Hausaufgaben. Von daher sollte sich das Augenmerk auch auf die generierten Kontexte des informellen Lernens der „Alltagsexperten“ richten.

Das situierte Lernen steht eigentlich im kompletten Gegensatz zum Frontalunterricht. Hier bekommt der Lernende meist reines Faktenwissen dargestellt und soll dies ohne darüber nachzudenken aufnehmen und speichern. Jedoch funktioniert dies nicht immer, da der Schüler das zu erlernende Erleben soll um es sich zu merken. Dies wird am Besten durch das situierte Lernen erreicht. Hier sollte im Unterricht einfach darauf geachtet werden, dass in Gruppen gearbeitet wird, dass Hilfsmittel eingesetzt werden und dass die Lernumgebung und das bereits Gelernte berücksichtigt werden.

Interne Verweise:
Einzelarbeit

Entdeckendes Lernen

Freiarbeit

Frontalunterricht

Gruppenarbeit

Projektunterricht

Legende:  
   |   
Verwendete Quellen:
de Witt, C., Czerwionka, T.: Medienpädagogik: Studientexte zur Erwachsenenbildung. Bielefeld: Bertelsmann. 2006.

Medien + Bildung.com: Pojekt MyMobile. http://www.medienundbildung.com/index.php?id=598&L=gvfcowncwwc.

Medienserver Mecklenburg-Vorpommern http://www.bildung-mv.de/de/medien/ablage_hro/ME-KO_Homepage/theorie/theo-fragen.htm

Röll, F.J.: Pädagogik der Navigation: Selbstgesteuertes Lernen durch Neue Medien. München: Kopäd. 2003.

Weiterführende Literatur:
Fredebeul M.: Situiertes Lernen und Blended Learning: Didaktische Konzeption und methodische Gestaltungsansätze. Saarbrücken. 2007.

Lave, J. & Wenger, E.: Situated learning: Legitimate peripheral participation. New York: Cambridge University Press.  1991.

Mandl, H., Gruber, H., Renkl, A.: Neue Wege des Lernens mit Multimedia. In: Grundlagen der Weiterbildung. 7 (1996) 5, S. 285-287.

Mandl, H., Gruber, H. , Renkl, A.: Situiertes Lernen in multimedialen Lernumgebungen. Forschungsbericht Nr. 50. München: Ludwig-Maximilians-Universität, Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie. 1995.

Gruber, H. Erfahrung als Grundlage kompetenten Handelns. Bern, Göttingen, Toronto, Seatle: Verlag Hans Huber. 1999.

Internetverweise:
Wir weisen darauf hin, dass die aufgelisteten Seiten nicht Teil des Didagma-Projektes sind. Daher übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte und die Richtigkeit dieser Seiten. Falls der Link defekt, oder der Seiteninhalt unpassend sein sollte würden wir uns freuen darüber informiert zu werden.

Gerstenmaier, J. , Mandl, H.: Methodologie und Empirie zum Situierten Lernen. 2001

Methodenpool Uni Köln: Situiertes Lernen

Stein, D.: Situated Learning in Adult Education.

Materialien:

Verantwortlich: unbekannt

« Back to Glossary Index