Informationstheoretisch-kybernetische Didaktik

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Kurzdefinition:
Das Didaktikverständnis der informationstheoretisch-kybernetischen Didaktik fokussiert Lehren und Lernen als konkrete Methode im Sinne einer technologischen Machbarkeit. Ziel ist eine größtmögliche Effizienz im Lehr- und Lernprozess mit dem Zweck der Optimierung. Eine Weiterentwicklung kann im Ansatz der Kybernetisch-konstruktiven Didaktik gesehen werden.
Beschreibung:
Bei der kybernetisch-informationstheoretischen Didaktik, wird Didaktik als Regelkreis angenommen, in dem das Lehrziel von außen als Sollgröße eingebracht wird und der Lehrende als Regler die Orientierung daran als Strategie des didaktischen Handelns fungiert. Personen und Medien werden als Stellglieder genutzt, um das Lehrziel zu erreichen. Dysfunktionale Ereignisse wie Konflikte werden als Störgröße einbezogen. Die Schüler stellen in diesem Prozess die Ist-Werte dar. Es können in diesem Sinne das Lehrsystem und Lernsystem sowie die sich daraus ergebenden Wechselwirkungen unterschieden werden.

In diesem Modell wird der Verzicht auf die Zielproblematik und die Normenkritik (Gesellschafts- oder Herrschaftskritik) zum Ausdruck gebracht. Es geht nur um die Untersuchung, wie Lernprozesse optimiert werden können. Das Modell konnte sich aber nur in Lernprozessen durchsetzen, die behavioristisch, d.h. kleine Informationshäppchen vermitteln und damit besonders für PC-Lernprogramme oder Selbststudium geeignet sind.

Abbildung: Unterricht als Regelkreis.

Quelle: Cube 1986, S. 49 zitiert nach Kron 1994, s. 151.

Als Weiterentwicklung wird der Ansatz der kybernetisch-konstruktiven Didaktik genannt, wodurch eine Annäherung der Theorie an die konkrete Didaktik erfolgt, da über die behavioristischen Lerntheorien hinaus gedacht wird. Grundlegend wird angenommen, dass der Wahrnehmungsprozess keine Realität abbildet, sondern vielmehr eine relative und subjektive Wirklichkeit schafft. So wird angenommen, dass im Sinne eines kybernetischen Modells, Unterricht einem Prozess zwischen Input und Output darstellt. Der Unterricht aber selbst in einer neuen, weniger mechanistischen Form angenommen wird. „Kennzeichen des Unterrichts sollen sein: ´Selbst erfahren, ausprobieren, experimentieren, immer in eigene Konstruktionen ideeller oder materieller Art überführen und in den Bedeutungen für die individuellen Interessen-, Motivations- und Gefühlslagen thematisieren, … Wir sind die Erfinder unserer Wirklichkeit.“ (Reich 1997, S. 119 zitiert nach Jank & Meyer 2006, S. 295).

„Das wichtigste, im Unterricht enthaltene System ist die Lernsituation.“ (König & Riedel 1976, S. 102). Diese wird durch den Lehrer bzw. Lehrerin auch Selektionsmoment genannt –wie er bzw. sie, die Auswahl der Operationsobjekte trifft. Dadurch ist die Lernsituation nicht mehr zufällig wie zum Beispiel im Alltag – sondern systematisiert.

Interne Verweise:
Didaktik

Konstruktivismus

Lehr-/Lerntheoretische Didaktik

Lernzieltaxonomien

Planungskreislauf

Unterrichtsplanung

Legende:  
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Verwendete Quellen:
Jank, W. & Meyer, H.: Didaktische Modelle. 5. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag. 2008.

König, E. & Riedel, H.: Systemtheoretische Didaktik. 3. Auflage. Weinheim-Basel: Beltz Verlag. 1976.

Kron, F.W.: Grundwissen Didaktik. 2. Auflage. München: UTB Verlag. 1994.

Weiterführende Literatur:
Flechsig, K.-H.: Kleines Handbuch didaktischer Modelle. Eichenzell: Neuland. 1996.

Glöckel, H.: Vom Unterricht. Lehrbuch der Allgemeinen Didaktik. 4. Auflage, Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. 2003.

Jank, W. & Meyer, H.: Didaktische Modelle, 5. Auflage, Berlin: Cornelsen. 2004.

Menck, P.: Unterricht – Was ist das? Eine Einführung in die Didaktik. Norderstedt: BoD. 2006.

Reich, K.: Konstruktivistische Didaktik: ein Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool auf CD. 3. Auflage. Weinheim: Beltz Verlag. 2006.

Ruprecht, R. & Beckmann, H. & von Cube, F. & Schulz, W.: Modelle grundlegender didaktischer Theorien. Hannover: Schroedel. 1972.

Internetverweise:
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Didaktische Modelle

Felix von Cube – Der kybernetische Ansatz der Didaktik

Technologische, informations-theoretisch-kybernetische Modelle (Stangl, 2018)

Kybernetisch-informationstheoretische Didaktik

Materialien:

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Thomas Prescher;

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