Entwicklungstheorie nach Piaget und Aebli

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Kurzdefinition:

Entwicklungstheorien beschreiben und erklären die Entstehung und Entwicklung des Denkens, Handelns und Fühlens im Verlauf eines Menschenlebens. Sie behandeln das Wechselspiel zwischen Reifung, Sozialisation und Lernen.

Beschreibung:

„Kinder sind keine Laborratten.“ (Gudjon 2008, S. 109). Dennoch ist für Lehrende und ihr professionelles Handeln wichtig, sich mit den Entwicklungsschritten von Kindern auf ihrem Weg in das Erwachsen sein auseinanderzusetzen.

Jean Piaget (1896-1980) hat dazu durch umfangreiche Beobachtungen an Kindern eine empirisch abgesicherte und tragfähige Theorie zur Beschreibung und Erklärung der Intelligenzentwicklung aufgebaut. Die zentrale Grundlage der kognitiven Entwicklung wird in der Beziehung zwischen dem Denken und Handeln eines Kindes und den Gegenständen seiner Erfahrungen gesehen. (vgl. Gudjons 2008, S. 119).

Das für Piaget (1973, S. 26f.) zentrale Bindeglied zwischen dem Denken und den Dingen ist das Handeln: „Die Wurzeln des logischen Denkens dürfen nicht allein in der Sprache gesucht werden, obwohl sprachliche Koordinationen wichtig sind, sondern müssen allgemeiner in der Koordination von Handlungen gesucht werden, die die Grundlage der reflektiven Abstraktion bilden.“

Ein zentraler Punkt in der Entwicklungstheorie ist die Unterscheidung vier verschiedener Stufen der kognitiven Entwicklung. „Dabei werden jeweils entweder Umwelterfahrungen in schon vorhandene kognitive Strukturen integriert (Assimilation) oder diese Strukturen werden aufgrund kognitiver Konflikte an die äußeren Bedingungen angepasst (Akkomodation). Ziel ist es, ein internes Gleichgewicht zwischen Organismus und Umweltanforderungen zu erhalten oder zu erreichen (Äquilibration).“ (Tulodziecki et al. 2004, S. 23). Es werden die vier Stufen der kognitiven Entwicklung unterschieden:

  1. Sensomotorische Stufe
  2. Präoperationales Denken, anschaulisches Denken
  3. Konkret-operationales Denken
  4. Formal-operationales Denken (vgl. Tulodziecki et al. 2004, S. 24)

„Der Piaget-Schüler Hans Aebli (1923-1990) hat entwicklungspsychologische Einsichten und Erkenntnisse ins Didaktische gewendet.“ (Jank & Meyer 2005, S. 195). Seine wissenschaftlichen Interessen galten der kognitiven Psychologie (Denken, Begriffsbildung, Lernen, Problemlösen), der Entwicklungspsychologie und deren Anwendung auf die pädagogische Psychologie, insbesondere auf die Didaktik. Dabei waren „Handeln und Denken“ und „Lernen und Entwicklung“ seine Untersuchungsfelder.

Interne Verweise:
Legende:  
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Verwendete Quellen:
Gudjons, H.: Pädagogisches Grundwissen. 10. Auflage. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. 2008.

Jank, W. & Meyer, H.: Didaktische Modelle. 7. Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor. 2005.

Piaget, J: Piaget takes a teacher’s look. Interview by Eleanor Duckworth. In: Learning: the magazine for creative teaching. dt. Übersetzung, Oktober 1973: S. 22-27.

Tulodziecki, G. & Herzi, B. & Blömke, S.: Gestaltung von Unterricht. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. 2004.

Weiterführende Literatur:
Aebli, H.: Psychologische Didaktik. Didaktische Auswertung der Psychologie Jean Piagets. Stuttgart: Klett 1951 (6. Auflage 1976). Mehrere Übersetzungen.

Aebli, H.:Über die geistige Entwicklung des Kindes. Stuttgart: Klett. 1963.

Aebli, H.: Mehrere Beiträge in H. Müller (Hrsg.), Lehrerbildung von morgen. Grundlagen, Strukturen, Inhalte. Bericht der Expertenkommission „Lehrerbildung von morgen“ im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Hitzkirch: Comenius Verlag. 1975.

Aebli, H.: Von Piagets Entwicklungspsychologie zur Theorie der kognitiven Sozialisation. In Steiner, G. (Hrsg.), Die Psychologie des 20. Jahrhunderts. Band VII: Piaget und die Folgen. Zürich: Kindler 1978, 604-627.

Aebli, H.: Denken: das Ordnen des Tuns. Bd. 1: Kognitive Aspekte der Handlungstheorie. Stuttgart: Klett-Cotta. 1980.

Aebli, H.: Denken: das Ordnen des Tuns. Bd. 2: Denkprozesse. Stuttgart: Klett-Cotta. 1981.

Aebli, H.: Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. Stuttgart: Klett-Cotta. 1983 – (11. Auflage 2001).

Internetverweise:

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Materialien:

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Isa-Dorothe Gardiewski;

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