Beobachtungs- und Bewertungsfehler

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Kurzdefinition:

Bei jeder Messung – auch bei der Vergabe von Schulnoten – ist mit Fehlern zu rechnen. Aufgabe des Beobachtenden (Lehrenden) muss es sein, die Anzahl Fehlerquellen so gering wie möglich zu halten und die bestehenden Risiken soweit wie möglich zu kontrollieren.

Beschreibung:

Aktuelle Gefühle des zeitlichen Augenblicks, Wertvorstellungen und Lebenserfahrungen beeinflussen die Wahrnehmung der Umgebung. Durch die Vergabe unterschiedlicher Bedeutungen und Selektion wird die Wirklichkeit und Wahrheit eines jeden Menschen konstruiert.

Beobachtungsfehler führen zu Bewertungsfehlern. In der Literatur wird eine Reihe von Fehlerquellen aufgeführt, die die Qualität der Beobachtung beeinträchtigen und Ergebnisse sogar vollständig verzerren können (vgl. Cranach & Frenz 1969, S. 269-330):

1. Fehler der zentralen Tendenz

2. Fehler der Milde und Großzügigkeit

3. Primacy – recency – Effekt

4. Halo – Effekt (auch Hof – Effekt)

5. Logische Fehler

6. Kontaktfehler

7. Klassifizierungsfehler

8. Erwartungsfehler

9. Generalisierungsfehler

10. Interessen – Werthaltungsfehler

11. Fehler durch „Vorurteile“

12. Alpha und Beta-Fehler

13. Fehler durch vorausgegangene Ereignisse

14. Einstellungsfehler

15. Fehler durch Umgebungsvariablen

Im Beobachtungsprozess spielen vor allem die Aspekte Vorabinformation, Stereotype, der erste und letzte Eindruck, der Halo-Fehler und implizite Persönlichkeitstheorien als Beobachtungsfehler große Rollen. Ein hoher Anteil hat dabei auch der Sympathie-Effekt, den ein Beobachter für sein Gegenüber empfindet (vgl. Greco 2007, S. 137).

Um Fehler im Beobachtungs- und Bewertungsprozess weitestgehend zu vermeiden, ist die strikte inhaltliche und zeitliche Trennung wichtig.

Maßnahmen zur Qualitätssicherung von Beobachtungen

Um Beobachtungen und nachfolgende Bewertungen zu verbessern, sind verschiedene Maßnahmen möglich wie die Einführung einer Zeitbegrenzung, Schaltung mehrerer Beobachtungseinheiten, Reduzierung der Beeinflussung des zu beobachtenden Verhaltens und die Trennung von Beobachtung und Interpretation.

Interne Verweise:
Gütekriterien
Legende:  
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Verwendete Quellen:
Cranach, v. M. & Frenz, H.-G.: Systematische Beobachtungen. In: Graumann, C. F. (Hrsg.): Handbuch Psychologie. Band 7: Sozialpsychologie. Göttingen. 1969, S. 269-330.

Greco, R.: Unsicherheit bei der Verhaltensbeobachtung und –bewertung im AC. Mögliche Einflussfaktoren und ihr Zusammenhang zur Beurteilungsgenauigkeit. Universität Bielefeld. Fachbereich Psychologie. 2007.

Weiterführende Literatur:
Faßnacht, G.: SystematischeVerhaltensbeobachtung. Eine Einführung in die Methodologie und Praxis. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag. 1979.

Kretschmer, H. & Stary, J.: Studium Kompakt – Pädagogik: Schulpraktikum: Eine Orientierungshilfe zum Lernen und Lehren. Berlin: Cornelsen Verlag Scripto. 2007.

Internetverweise:

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Beobachtungs – und Beurteilungsfehler erkennen …

Schicke, C.: Leistungsbewertung in der Schule

Materialien:

Verantwortlich: Rolf Arnold, FB Pädagogik, TU Kaiserslautern und Wiegerling, Hans-Jürgen; Gardiewski, Isa-Dorothe

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